Biedermeier-Schränke
Biedermeier-Schränke bieten Platz für Bücher, Wäsche und Geschirr. Klare Formen und die Maserung des Holzes prägen ihren Stil. Erfahren Sie mehr über das Dekor, die Holzarten und die vielseitigen Schrankformen dieser Epoche.
Das Dekor der Biedermeier-Schränke
Biedermeier-Schränke verbinden ein schlichtes Dekor mit eleganter Gestaltung. Ihre Formen sind vom Empire und Klassizismus sowie von den englischen Möbeln Thomas Sheratons beeinflusst. Funktion und handwerkliche Qualität stehen dabei im Mittelpunkt.
Üppige Schnörkel und Schnitzereien fehlen meist, Intarsien kommen nur selten vor. Typisch sind Klotz-, Kugel- oder Vierkantfüße. Pilaster oder schmale Pfeiler begrenzen die Seiten, während ein Kranzgesims den oberen Abschluss bildet. Oft sind die Türen kassettiert und bringen die Holzmaserung zur Geltung.
Die Biedermeier-Epoche und ihr Wohnstil
Der Biedermeier wird überwiegend in die Jahre 1815 bis 1848 eingeordnet. Der Stil verbreitete sich vor allem in Deutschland und Österreich, teilweise auch in Skandinavien. Nach den Napoleonischen Kriegen gewannen das private Zuhause, die Familie und ein behagliches Wohnumfeld an Bedeutung.
An die Stelle des ausgeprägten Repräsentationswillens von Barock und Rokoko trat eine stärker bürgerlich geprägte Wohnkultur. Möbel sollten vor allem funktional sein. Zugleich spiegelten sie den Wunsch nach Privatheit und Häuslichkeit in einer Zeit technischen Wandels wider.
Holzarten und Oberflächen im historischen Biedermeier
Bei historischen Biedermeier-Schränken spielte die Maserung des Holzes eine zentrale Rolle. Glatte, polierte Flächen setzten sie in Szene. Beliebt waren helle Hölzer sowie Furniere aus Kirschbaum und Nussbaum, deren Maserung häufig spiegelbildlich angeordnet wurde. Dunkle Kontraste entstanden auch durch Schwarzbeizen; Schellackpolituren betonten das Holzbild.
Die Holzauswahl unterschied sich regional. In Norddeutschland wurden unter anderem Walnuss und Mahagoni verarbeitet. In anderen Regionen kamen eher Kirsche, Birke, Birne oder Pappel zum Einsatz. Diese historischen Merkmale beschreiben die Epoche; die konkrete Ausführung eines angebotenen Schrankes ergibt sich aus seiner Produktbeschreibung.
Holzarten im Überblick
Nussbaum und Walnuss zeigen gestreifte, geflammte oder wolkige Maserungen. Ihre hellbraunen Farbtöne können einen roten oder violetten Schimmer aufweisen. Kirschholz reicht farblich von Gelbrot bis Rotbraun, ist gleichmäßig längsgestreift und dunkelt in einem rötlichen Ton nach.
Birkenholz ist hell und kann gelbliche, rötliche oder bräunliche Farbtöne sowie dunkle Flecken zeigen. Es wurde auch als Furnierholz verwendet. Mahagoni zeichnet sich durch braune Farbtöne mit rötlichem Schimmer und eine gestreifte Maserung aus.
Schrankformen und ihre Aufgaben
Ein Biedermeier-Schrank diente der Aufbewahrung und konnte zugleich schöne Gegenstände zeigen. Bücher, Geschirr und Sammlerstücke fanden je nach Raum in unterschiedlichen Schrankformen ihren Platz.
Bücher, Geschirr und Sammlerstücke
Im Wohnzimmer machten verglaste Bücherschränke die private Bibliothek sichtbar. Vitrinen mit verglasten Türen und teils auch verglasten Seiten boten Raum für Sammlerstücke. Eckschränke nutzten freie Raumecken. Wo ein eigenes Arbeitszimmer fehlte, konnte ein Sekretär mit Schreibklappe stehen.
Eine besondere Schrankform war der sogenannte Blender: Seine äußere Gestaltung ließ eine andere Innenaufteilung erwarten. So konnte ein Möbel wie ein Sekretär aussehen, hinter der Fassade jedoch einfache Schrankfächer verbergen. Im Esszimmer und in der Küche wurden Anrichten und Aufsatzvitrinen für Alltagsgeschirr und zum Präsentieren schöner Stücke genutzt.
Kleiderschränke und Dielenschränke
Im Schlafzimmer boten zwei- oder dreitürige Kleiderschränke Platz zum Aufhängen von Kleidung und Fächer für die Wäsche. Der niedrigere Halbschrank erinnerte äußerlich an eine Kommode, besaß jedoch Türen und Fächer statt Schubladen.
Dielenschränke konnten besonders stattlich und reich gestaltet sein. Zu ihren Schmuckformen gehörten Bauernmalerei, Intarsien, gedrechselte Ecksäulen und aufwendig gearbeitete Giebel. Beim Bodenseeschrank waren einfache Schweifgiebel sowie Fächer und Schubladen im Inneren charakteristisch.
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